Lena Madsen, Tom Madsen: Selbstvertrauen & Selbstbehauptung

Gefahren erkennen, Hilfe holen, sich wehren

Dieses Buch ist als Ratgeber für Eltern, Erzieher, Lehrer und Trainer gedacht, die Kinder stärken wollen, die ihnen helfen wollen, ein Selbstbewusstsein zu entwickeln, das es ihnen ermöglicht, mit den Herausforderungen des Alltags fertigzuwerden.

Erwachsene sind leider nur in begrenztem Ausmaß in der Lage, Kinder vor jeglichen Gefahren zu schützen. Die langjährige Arbeit mit Kindern hat uns gelehrt, dass es nicht Aufgabe von Erwachsenen ist, alles Leid und alle Gefahren von ihnen fernzuhalten, sondern unsere Kinder dazu zu befähigen, sich  selbst zu schützen und selber Lösungen zu finden. Wir müssen ihnen helfen, sich zu selbstbewussten, starken, resilienten und glücklichen Menschen zu entwickeln.

Dazu hat ein Team aus professionellen Pädagogen, Kampfsportlern und Psychologen das Krav Maga Survival-Programm für Kinder entwickelt, das hier vorgestellt und erklärt wird.

Krav Maga ist ein System, das in Israel entwickelt wurde. Ziel des Systems ist es, möglichst vielen Menschen (…) beibringen zu können, sich effektiv zu verteidigen. (…) Neben den Verteidigungstechniken besteht Krav Maga immer auch zu einem großen Anteil aus Stresstraining, um sicherzustellen, dass die Techniken auch im Ernstfall, also unter Stress, abgerufen werden können.

Dabei sollen Gegner nicht ernsthaft verletzt, sondern abgewehrt oder unter Kontrolle gebracht werden. Dieses System ist nicht für Kinder gedacht, es ist den Autoren klar, dass schon aufgrund der fehlenden körperlichen Möglichkeiten Kinder weniger Möglichkeiten haben, sich zu verteidigen. Sie haben sich aber überlegt, welche Möglichkeiten es für Kinder gibt, sich zu schützen und wie sie in Gefahrensituationen reagieren sollten. Dazu haben sie zahlreiche Übungen entwickelt, die im umfangreichen letzen Teil des Buches in Wort und Bild vorgestellt werden. Dabei geht es zum Beispiel um die Schulung des Gefahrenbewusstseins, Körpersprache und Körperhaltung, die Fähigkeit, Stopp zu sagen, das Holen von Hilfe, das Einschätzen des gewünschten Abstands, die Stärke einer Gruppe und Stresstraining.

Davor steht jedoch ein ausführlicher Theorieteil. Hier wird erst einmal geklärt, was Selbstvertrauen ist, das Konzept der Selbstwirksamkeitserfahrung wird ebenso erklärt wie der Umgang mit Ängsten und Stress, die Wahrnehmung von Grenzen, Bewegung als positiver Entwicklungsfaktor, Deeskalation und das Verständnis, dass Selbstverteidigung das letzte Mittel sein sollte. Viele Praxisbeispiele helfen zu verstehen, worauf es den Autoren ankommt. Besonders wichtige Aspekte sind optisch hervorgehoben.

Viele praktische Übungen

Mittlerweile ist es viele Jahre her, dass ich mit meinem Sohn an einem Kurs in seiner Schule teilgenommen habe, bei dem es darum ging, den Sinn der Kinder für Gefahren zu schärfen und ihnen Strategien für angemessene und hilfreichen Reaktionen in gefährlichen Situationen an die Hand zu geben. Das war damals eine sehr eindrückliche Erfahrung für mich. Wir haben beispielsweise erlebt, wie die Kinder theoretisch durchgesprochen haben, was sie tun sollen, wenn ein Auto neben ihnen hält und sie durch die geöffnete Scheibe angesprochen werden. Später folgte eine praktische Übung. Mehr als die Hälfte der Kinder vergaß das gerade Gelernte, wollte hilfsbereit sein und wurde von dem Fahrer (fast) ins Auto gezogen – ein Schock für die Kinder und die aus der Ferne zuschauenden Eltern. Dieser Tag hat mir deutlich gemacht, wie wichtig solche Kurse sind, aber auch, dass ein Tag zu kurz ist. Dann prasselt zu viel auf die Kinder ein, das Gelernte kann nicht vertieft werden und wird schnell wieder vergessen.

Das in diesem Buch vorgestellte Konzept klingt für mich sehr überzeugend. Ich kann es nur aus laienhafter Sicht beurteilen, doch erkenne ich leicht umsetzbare Übungen, die die Kinder in verschiedenen Situationen ermächtigen, angemessen zu reagieren, ein Programm, das längerfristig angelegt ist, eine gute Mischung aus Stärkung des Selbstbewusstseins, Verhaltensänderungen und körperlichem Einsatz als letzem Mittel.

Ein Beispiel: Man sagt Kindern ja gerne mal, dass sie weglaufen und irgendwo klingeln sollen, wenn ihnen jemand komisch kommt. Hier üben die Kinder aber ganz konkret, was sie tun sollen: nicht ins dunkle Gebüsch laufen, sondern zu einem Haus. Ist bei dem Haus das Licht angeschaltet, steht ein Auto vor der Tür? Gut, dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass jemand zu Hause ist. Häuser mit hohen Zäunen, Sprechanlagen und Hunden sind ungünstig. Wenn jemand die Tür öffnet, was sagt man dann? Und dann üben die Kinder es tatsächlich, an den Häusern wildfremder Menschen zu klingeln. Sie sagen gleich, dass das nur eine Übung ist und fragen, ob die Menschen ihnen im Notfall geholfen hätten (natürlich halten die Erwachsenen sich im Hintergrund bereit). Ich glaube, das würde auch mich Überwindung kosten. Aber natürlich wird das dem Kind in einer Gefahrensituation viel schneller einfallen, als wenn ihnen nur jemand davon erzählt hätte.

Gut gefällt mir auch, dass man für viele Übungen kein Sporttrainer sein muss. Die Verhaltensübungen könnten zum Beispiel auch in der Schule oder im Hort durchgeführt werden. Sie sind meist nicht sehr aufwendig, sodass sie über einen längeren Zeitraum einfach in das normale Programm integriert werden könnten.

Fazit: Ein gut aufgebautes Lehr- und Übungsbuch für alle, die mit Kindern arbeiten, diese stärken und ihnen eine Hilfestellung für das Verhalten in gefährlichen Situationen an die Hand geben wollen.

Lena Madsen, Tom Madsen: Das Krav Maga Survival-Programm für Kids. Selbstvertrauen & Selbstbehauptung spielerisch vermitteln. pietsch 2017. 144 Seiten, Euro 14,95, ISBN 978-3-613-50847-7.

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