Indrek Koff, Ulla Saar: Einen Tag ganz brav

Brav sein ist doch ganz einfach, oder?

Empfohlen für alle Familien mit Kindern ab 4 Jahren, die einmal für ihre Eltern ganz brav sein wollten.

Dies steht auf der Rückseite des Buches. In Gedanken sollte man ergänzen: … und bei denen das grandios schiefgegangen ist.

Genau so geht es nämlich den beiden Kindern in der Geschichte. Sie nehmen sich vor, richtig brav zu sein. In der ersten Hälfte des Buches denken die Leserinnen und Leser auch, dass das wunderbar klappt. Wir sehen die Kinder beim Zähneputzen, während Oma in der Küche in aller Ruhe ihren Kaffee trinkt. Sie ziehen sich an und räumen ihr Zimmer auf, putzen das Bad, waschen Wäsche, spülen, backen einen Kuchen und malen. Oma sieht währenddessen fern, arbeitet im Haushalt, schaut aus dem Fenster, liest die Zeitung und macht ein Nickerchen.

Das war schön, brav zu sein!

Stimmt, aber … macht auch ziemlich müde.

Weißt du, morgen schaffe ich es wahrscheinlich nicht nochmal, ganz brav zu sein.

Dann sieht man die Mutter von der Arbeit kommen. Sie freut sich, dass die Kinder an einem Tag in der Woche nicht in den Kindergarten müssen, weil Oma auf sie aufpasst. Aber dann …

Im Bad ist alles dreckig und chaotisch, im Kinderzimmer erst recht, in der Waschküche herrscht das Chaos, in der Küche sieht es aus, als wäre das Mehl explodiert und in die Bücher der Eltern ist überall hineingemalt worden.

Über solche Tage sagt man, dass du mit dem falschen Fuß aufgestanden bist. Es ist einfach zum Haare raufen. Die ganze Welt scheint sich gegen dich verbündet zu haben.

Gescheiterte Vorsätze

Am Anfang denkt man: Wow, was für tolle, brave Kinder. Die Oma hat gar keine Arbeit, die Kinder sind aus eigenem Antrieb ganz fleißig und ordentlich. Und das wollen sie auch sein. Doch was man auf den Bildern sieht, ist die Vorstellung der Kinder. Wie es wirklich aussieht, sieht man später durch die Augen der Eltern: Chaos, die ganze Wohnung ist ein einziges riesiges Chaos. Doch können die Eltern den Kindern nicht wirklich böse sein. Man merkt ja, dass sie es gut gemeint haben. Sogar einen Kuchen haben sie gebacken.

Gute Vorsätze, die dann irgendwie nicht klappen, das kennt jeder, oder? So erging es den Kindern. Sie wollten wirklich lieb sein, doch am Ende wünscht sich die Mutter, dass sie am nächsten Tag lieber nicht ganz so brav sind.

Die Bilder sind sehr interessant gestaltet. Sind die Kinder zugange, sind die Bilder komplett ausgemalt. Bilder mit Erwachsenen sind schwarz-weiß oder in einer pastelligen Hintergrundfarbe, auf die die Umrisse gemalt wurden. Auf ihnen ist viel zu entdecken, manches fällt beim ersten Lesen gar nicht auf. So stehen in der Küche neben dem Kuchen Pillendöschen. Der Inhalt? Anti-Stress und Herzkraut. Ja, das werden die Eltern brauchen … Über dem Bücherregal hängt ein Zettel: „Lest uns vor!“ Leider war der Zettel nicht groß genug, so dass die Kinder auch auf die Wand schreiben mussten.

Die Kinder strahlen übers ganze Gesicht, man sieht ihnen ihren Stolz auf das Geleistete an, während die Eltern traurig, entsetzt oder resigniert aussehen, weil sie gerade wieder etwas Neues enteckt haben, was die Kinder angestellt haben. Aber sie reagieren nicht wütend, denn sie erkennen, dass die Kinder nicht aus bösem Willen gehandelt haben.

Der Text ist nicht sehr umfangreich, viele Doppelseiten kommen ganz ohne aus – die Bilder sprechen für sich. Teilweise ist er sehr philosophisch. Wenn einem die ganze Welt schlecht vorkommt und der Tag verdorben, was kann man dann tun? Man muss danach suchen, was es Schönes an diesem Tag gab, damit man ihn nicht abschreiben muss. Das ist eine sehr schöne Botschaft. Die Geschichte ist zunächst einmal sehr lustig, macht in der zweiten Hälfte aber auch sehr nachdenklich.

Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Was für eine wunderbare Torte die Kinder in ihrer Vorstellung gebacken haben. Doch beim Blick der Eltern auf den Kuchen entdecken wir Cayennepfeffer und Putzmittel, die Kerzen wurden falsch herum aufgesteckt. Der gute Wille war da, aber alles ist schiefgegangen. Die Eltern sind trotz ihres Entsetzens in der Lage, ihren Kindern nicht böse zu sein. Sie meinten es nur gut! Vielleicht wird den Eltern auch klar, dass man von seinen Kindern lieber nicht zu viel erwarten sollte.

Fazit: Eine spannende Geschichte über guten Willen, die Schwierigkeiten, ihn in die Tat umzusetzen, und den Versuch, in jedem Tag etwas Gutes zu entdecken, auch wenn er gründlich danebengegangen ist. Kinder ab 4 Jahren werden viel Spaß damit haben.

Indrek Koff, Ulla Saar: Einen Tag ganz brav. Aus dem Estnischen von Carsten Wilms. kullerkupp 2018. 56 Seiten, Euro 15,90, ISBN 978-3–94707905-6.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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