Bilderbuchlektorat – Wie geht das?

Bilderbuchlektorat – Worauf kommt es an?

Kürzlich hatte ich mein erstes Bilderbuchlektorat. Das war sehr spannend für mich. Natürlich unterscheiden sich manche Arbeitsschritte nicht vom Lektorat eines Erwachsenenbuches, aber es gibt doch einiges, worauf man besonders achten muss.

Schritt 1: Der Überblick

Zunächst einmal habe ich das Buch ganz durchgelesen, um zu wissen, um was es geht. Dabei fand ich einige wenige Tippfehler und Buchstabendreher, das war’s. Eigentlich ist das Korrektorat ja der letzte Schritt, aber natürlich stolpere ich beim Lesen sofort über manche Fehler und streiche sie dann an.

Schritt 2: Die Bilder

Nun wusste ich, worum es geht und konnte mich ganz auf meine Aufgabe konzentrieren. Also noch einmal von vorne, Seite für Seite. Beim Bilderbuch sind, logisch, die Bilder ganz wichtig. Also muss man sehr genau darauf achten, ob Texte und Bilder zusammenpassen. Ist das nicht der Fall, stolpern die Leser sehr darüber. Gerade Kinder sind da sehr gründlich. Ich erinnere mich heute noch daran, dass in einem meiner Lieblingsbücher als Kind die Haarfarben der Personen nicht stimmten. Das hat mich jedes Mal aufgeregt. Eine solche Text-Bild-Schere muss also vermieden werden.

Wichtig ist auch, dass alles gut zu erkennen ist. In dem Bilderbuch, das ich lektoriert habe, macht ein kleiner Junge einen Ausflug in die Welt der Musik. Da fand ich es zum Beispiel wichtig, dass für Noten auf allen Seiten die gleichen Farben verwendet werden oder schlug vor, dass man beim E-Piano das Kabel sieht, damit die Kinder gleich erfassen können, dass es Strom braucht.

Schritt 3: Der Text

Der nächste Schritt war zu prüfen, ob der Text der Altersgruppe angemessen ist. Schwierige Wörter wie Komponist, Harmonie oder Saite müssen entweder im Text erklärt werden, sich durch die Bilder selbst erklären oder durch andere, einfachere Wörter ersetzt werden. Die Sätze dürfen nicht zu lang, verschachtelt oder kompliziert sein. Schafft es Autorin oder Autor, alle Informationen gut und verständlich zu vermitteln? Passt auch die Menge der Informationen? Können die Kinder das alles erfassen?

Natürlich muss auch darauf geachtet werden, dass alle Informationen stimmen – besonders im Sachbuch oder erzählenden Sachbuch wie in meinem Fall.

Außerdem ist es – wie bei jedem Buch – natürlich wichtig, dass der rote Faden stimmt. Es darf keine Lücken im Text geben, weil Autorin oder Autor im Kopf einen Schritt gegangen ist, der im Text nicht erklärt wird. Dann rätseln die Leser nämlich, wie der Protagonist an einen bestimmten Ort gekommen ist oder wo ein Objekt plötzlich herkommt.

Neben der Logik kommt es auch darauf an, dass die Handlung so vermittelt wird, dass das Kind neugierig auf den Fortgang der Handlung ist. Beim erzählenden Sachbuch soll zwar Wissen vermittelt werden, aber die Geschichte muss trotzdem spannend, lustig, fesselnd sein, damit das Kind das Buch wieder und wieder vorgelesen bekommen möchte. Nur dann kann das Wissen sich festigen. Bei „meinem“ Bilderbuch war das schon der Fall, sodass ich in dieser Hinsicht nicht eingreifen musste.

Schritt 4: Das Korrektorat

Dazu muss ich nicht viel sagen, oder? Fehler sind in Büchern immer besonders ärgerlich. Während man beim E-Book später noch etwas ausbessern kann, gilt bei Printbüchern: gedruckt ist gedruckt. Also heißt es, noch einmal genau hinzusehen. Oft macht das eine zweite Person, bei einem Bilderbuch mit wenig Text kann man aber problemlos Wort für Wort durchgehen. Das habe ich von hinten nach vorne getan. So kann man sein Gehirn austricksen, das den Text mittlerweile sehr gut kennt.

Theorie und Praxis

In der Praxis laufen diese Durchgänge nicht ganz so geordnet nacheinander ab. An der einen oder anderen Stelle hatte ich zunächst ein komisches Gefühl und habe sie mir markiert, konnte aber noch gar nicht genau sagen, was mich störte. Erst beim nächsten Durchlesen merkte ich beispielsweise, dass ein kleiner Sprung in der Handlung war und noch ein erklärender Satz ergänzt werden musste. Das Schöne am Bilderbuchlektorat ist, dass es kein Problem ist, das Buch wieder und wieder durchzugehen. Das geht bei einem dicken Roman aus Zeitgründen natürlich nicht. Auch die Zusammenarbeit mit der Autorin, die in meinem Fall auch die Illustratorin war, ist enger. Hier wanderten einige E-Mails hin und her, bis wir beide rundum zufrieden waren.

Das Bilderbuchlektorat bietet also ganz eigene Herausforderungen, weshalb es mir besonders viel Spaß gemacht hat. Sicherlich möchtet ihr nun auch das Buch kennenlernen, das dabei entstanden ist. Ich finde ja, dass es ganz toll geworden ist! Hier ist es: Piano, kleiner Piet von Gloria Jasionowski. Es erscheint Anfang Juli, dann werde ich euch noch mehr über das Buch erzählen.

5 Kommentare zu “Bilderbuchlektorat – Wie geht das?

    • Das ist richtig. Ein Kind aus einer Familie, in der alle ein Instrument spielen und in der Hausmusik gemacht wird, kennt sicherlich viel mehr Musikbegriffe als ein Kind aus einer unmusikalischen Familie. Und vielleicht wird die erste Familie solche ein Buch eher kaufen als die zweite. Dennoch muss man in einem solchen Fall vom (vermuteten) Durchschnitt ausgehen, finde ich.
      Da wir unseren Kindern sehr viel vorgelesen haben, sie viele Hörbücher hörten und auch nachfragten, wenn sie ein Wort nicht kannten, hatte sie sicher einen größeren Wortschatz als manch anderes Kind in ihrem Alter, aber ich würde das niemals voraussetzen. Andererseits könnte es aber passieren, dass ich ein Wort für selbstverständlich halte, dass es für die meisten nicht ist. Es kann nur eine Annäherung sein.

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  1. Pingback: Vom Schreibtisch ins Blog: Piano, kleiner Piet von Gloria Jasionowski – Kinderohren

  2. Pingback: Rezension: Piano, kleiner Piet | Geschichtenwolke - Kinderbuchblog

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