Batsheva Dagan: Chika, die Hündin im Ghetto

Die Geschichte, die du gleich hören wirst, ist wirklich passiert. Sie geschah zu einer Zeit, als in vielen Teilen Europas Krieg war. Diesen Krieg hatte Deutschland begonnen, wo damals die Nationalsozialisten regierten. Man nannte die Mitglieder dieser Partei auch „die Nazis“. Die Nazis führten Krieg, um ihr Land zu vergrößern. Und nicht nur das. Sie taten Menschen, die anders waren, als sie selbst, oder anders dachten, schlimme Dinge an, zum Beispiel den Juden. Batsheva Dagan, die diese Geschichte aufgeschrieben hat, war eine von ihnen. Vor vielen Jahren kannte sie einen Jungen, Mikasch …

Das Schicksal eines kleinen jüdischen Jungen

Nach dieser Hintergrundinformation lernen die Zuhörerinnen und Zuhörer den fünfjährigen Mikasch kennen, der 1944 in einem Ghetto („Mikaschs Viertel“) lebt und gerade auf einem Apfelbaum sitzt. Das bringt ihm großen Ärger ein, denn es ist den Juden, wie er einer ist, streng verboten, Äpfel zu pflücken. Das hat er zwar gar nicht vor, aber der deutsche Soldat schreit ihn dennoch an. Zum Glück kommt ihm seine beste Freundin Chika zu Hilfe, ein kleiner Hund. Mikasch kann sich davonschleichen …

Doch noch am selben Tag bekommt Mikaschs Familie die Anweisung, dass bis zum nächsten Tag alle Hunde das Ghetto verlassen müssen. Mikasch weint bittere Tränen. Sein Vater geht ein großes Risiko ein, um die Hündin zu retten.

Kurz darauf wird das Ghetto geräumt. Doch Mikaschs Vater hat einen Raum im Keller gegraben, in dem die Familie sich verstecken kann. Lange muss die Familie in dem Erdloch hocken, das Essen geht schon zur Neige. Doch eines Tages vibriert die Erde. Neugierig wagt sich die Familie heraus. Es sind russische Soldaten, die die Deutschen vertrieben haben. Und dann bekommt Mikasch seine geliebt Chika zurück.

Judenverfolgung, erklärt für kleine Kinder

Die Verfolgung der Juden durch die Nazis wird durch diese Geschichte schon für kleine Kinder verständlich erklärt. Sie können die Angst und Sorge des kleinen Jungen gut nachempfinden. Dem Alter der Zuhörerinnen und Zuhörer angemessen gibt es ein Happy End. Das finde ich gut und richtig, das reicht fürs Erste.

Man sollte Kinder die Geschichte nicht alleine hören lassen. Wenn beispielsweise der deutsche Soldat Mikasch anschreit oder Mikosch sich um seinen Vater sorgt, könnten sie Angst bekommen, das ist schon sehr dramatisch.

Direkt im Anschluss auf das Hörspiel folgt ein Interview mit der Autorin, die zum Beispiel darüber berichtet, dass sie nicht mehr in die Schule gehen durfte, dass es verboten wurde, Haustiere zu halten und wie man im Ghetto gelebt hat. Dabei berichtet sie über Aspekte, die für Kinder interessant sind, zum Beispiel wo man das wenige Essen herbekam, wie man wohnte, spielte und schlief. Das ist etwas anspruchsvoller als die Geschichte von Chika, aber doch weitgehend verständlich. Manche Begriffe sind jedoch schwer zu verstehen wie Antisemitismus. Auch hier sollten Erwachsene dabei sein, um Fragen beantworten zu können.

Nach dem Interview wird noch ein Text vorgelesen, „Vom Abscheren der Haare“. Dieser Text wird weder erklärt noch irgendwie eingeordnet. Die Kinder wissen ja nach dem Hören des Hörspiels nicht, dass die Juden in Konzentrationslager eingesperrt wurden und dass ihnen die Haare abgeschoren wurden. Das geht gar nicht ohne Begleitung von Erwachsenen, ich finde, er passt nicht auf diese CD.

Das abschließende Gedicht „Dort träumte ich“ ist eher verständlich, weil einiges davon im Interview erwähnt wurde: der fehlende Platz zum Schlafen, das nicht ausreichende Essen.

Manche Passagen sind mit Klezmermusik unterlegt.

Fazit: Ja, man kann schon kleinen Kindern verständlich machen, was während des Holocaust passiert ist – natürlich angepasst an ihr Alter und ihre Verständnisfähigkeit. Für Kinder ab 6 Jahren.

Batsheva Dagan: Chika, die Hündin im Ghetto. Oetinger audio 2018. 1 CD, Euro 13,00, ISBN 978-3-8373-1087-0.

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