Petra Steckemann, Mele Brink: Ich bin Mimi!

Kuschelkätzchen-Mausebär-Alarm

Mimi, 5, ist extrem genervt. Gleich kommen Tante Kunigunde (von Mama „Drache“ genannt) und Onkel Adalbert (von Papa als „Clown“ bezeichnet) zu Besuch. Sie versteckt sich im Wandschrank, aber leider kennt die Verwandtschaft ihr Versteck schon. Die Gäste geben Mimi alle möglichen mehr oder weniger netten Bezeichnungen: Hoppelhase, Engel, Mäusezähnchen, Stockfisch. Und dann fängt Mama auch noch an. Da rastet Mimi aus:

„Ich bin keine Prinzessin!“

„Ich bin kein Mäusezähnchen!“

(…)

„Ich bin Mimi!“

Nach diesem Ausbruch haben es die Erwachsenen kapiert – zumindest für den Moment.

Der eigene Name ist toll!

Nicht einmal sagen die Erwachsenen Mimis Namen, immer kommen irgendwelche andere Bezeichnungen, von denen sich Mimi gar nicht angesprochen fühlt. Das alles ist herrlich visualisiert. Bei jedem neuen Namen tauchen neue Merkmale an Mimi auf: Zuerst wachsen ihr Hasenohren, dann Engelsflügel, Mäusezähnchen, eine Krone taucht auf dem Kopf auf, schließlich ploppt ein Fischschwanz unter ihrem Rock hervor, Entenfüße wachsen usw. Aber auch die Erwachsenen verwandeln sich in Drache, Clown oder Tauben, doch bei ihnen verschwinden diese Merkmale wieder. Bei Mimi summieren sie sich bis zu ihrem großen Ausbruch, bei dem ein Teil nach dem anderen in die Mülltonne fliegt. Das alles wirkt sehr schwungvoll und dynamisch. Auch die pudrigen Farben gefallen mir gut.

Übrigens lohnt es sich, bei den Bildern genau hinzusehen. Die Kinder können darauf etliche andere ihrer Lieblingsfiguren entdecken, zum Beispiel die Maus, den Elefanten oder den kleinen Drachen Grisu, der Feuerwehmann werden möchte.

Der einfach zu verstehende Text und und die Bilder ergänzen sich hier wunderbar. Der Text enthält viel wörtliche Rede, jeder Sprecher hat eine eigene Farbe, sodass auch die zuhörenden Kinder beim Blick ins Buch erkennen können, wer gerade spricht. Man könnte das Buch auch für Leseanfänger verwenden, die einzelne Rollen übernehmen.

Schluss mit niedlich!

Mimi ist ein sehr sympathisches Mädchen. Es weiß genau, was es will. Oder besser: was es nicht will. Keine Kosenamen! Mal ein Kosename ist ja ganz nett, aber wenn die eigene Persönlichkeit vollkommen zugedeckt wird, ist es irgendwann nicht mehr schön. Mimi möchte einfach sie selbst sein und auch so bezeichnet werden. Sie nimmt das Ganze eine Weile hin, aber irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem es ihr zu viel wird und sie platzt.

Die Geschichte ist eigentlich ein wenig traurig. Viele Kinder werden sich in Mimi hineinversetzen können, weil sie ähnliche Situationen schon erlebt haben, in der sie mit süßen Namen zugeschüttet werden, sie selbst und ihre Persönlichkeit aber kaum eine Rolle spielen. Lustig wird diese Geschichte durch die Bilder. Als Mimi anfangs plötzlich Hasenohren wachsen und sie durch den Raum hoppelt, ist das sehr überraschend. Und dann wird das mehr und mehr! Ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten Kinder sich dann vorstellen, wie sie selbst aussehen würden.

Die meisten Eltern haben Kosenamen für ihre Kinder. Die Lektüre ist eine gute Gelegenheit, um sie zu fragen, ob sie diese eigentlich mögen. Denn natürlich ist nicht jeder Kosename verhasst. Aber vielleicht mag das Kind zwar beim Kuscheln daheim auf dem Sofa so genannt werden, hasst es aber, wenn der Name beim Abholen im Kindergarten über den ganzen Spielplatz geschrien wird. Und nicht jedes Kind traut sich, seine Meinung so deutlich zu vertreten wie Mimi. Oder die Erwachsenen nehmen es nicht ernst, weil sie es ja nett meinen.

Ein anderer Aspekt ist, dass die Erwachsenen, ohne nachzudenken oder sich dessen überhaupt bewusst zu sein, andere mit nicht nett gemeinten Namen belegen. So bezeichnen Mimis Eltern Tante und Onkel vor deren Ankunft als Drache und Clown. Dass Kinder das nicht nur mitbekommen, sondern auch ernst nehmen, bedenken sie dabei nicht. Auch die Großen können bei dieser Lektüre etwas lernen!

Fazit: Eine lustige Geschichte über den übermäßigen Gebrauch von Kosenamen für Kinder von 4 bis 6 Jahren.

Petra Steckelmann, Mele Brink: Ich bin Mimi! Edition Pastorplatz 2019. 34 Seiten, Euro 14,00, ISBN 978-3-943833-30-0.

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