Tina Brigitte Lauffer: Applejucy. Abenteuer in Amerika

Von der Hexeninsel nach Amerika

Applejucy ist eine zwölfjährige Hexe, die auf der Hexeninsel Green Witch Island lebt. Obwohl sie weiß, dass es keine Menschen gibt, hat sie ein bisschen Angst. Deswegen muss ihr Vater abends sicherheitshalber unter ihrem Bett und in ihrem Schrank nachsehen. Nur sicherheitshalber!

„Verdammt!“, fluchte er. „Applejucy, dein Zimmer ist ja ganz nass! Was hast du denn nun schon wieder angestellt?“
„Aber Papa, du hast mir doch selbst, gesagt, ich soll Fische zählen, wenn ich nicht einschlafen kann!“, rief Jucy.
Tom schüttelte verzweifelt den Kopf.
„Liebling – du wirst bestimmt mal eine tolle Hexe, leider kann deine Mutter das nicht mehr erleben. Aber du sollst dir die Tiere vorstellen, wenn du sie zählst, und nicht herbeizaubern. Vorgestern Hühner, gestern Schafe, heute Fische und wer weiß, was du morgen zauberst. …“

Doch dann geschieht etwas, was ihre Überzeugungen über den Haufen wirft: Sie begegnet zwei Menschenkindern. Nach dem ersten Schreck findet sie heraus, dass diese gar nicht schrecklich sind, sondern eigentlich genau wie sie, nur können sie nicht fliegen oder hexen.

Jomo und Nana kommen aus Afrika. Die beiden haben sich auf ein Sklavenschiff geschmuggelt, um nach ihrer entführten Mutter zu suchen. Als das Schiff sank, konnten sich die beiden nach Green Witch Island retten.

Applejucy ist berührt von diesem Schicksal und möchte den beiden dabei helfen, nach Amerika zu gelangen und dort ihre Mutter zu suchen. Aber wie? Niemand darf wissen, dass Menschen auf der Insel sind, doch sie braucht Hilfe, alleine schafft sie das nicht. Schließlich fällt ihr jemand ein, dem sie sich anvertrauen kann. Gemeinsam schmieden sie einen Plan und starten in ein großes Abenteuer.

Menschen sind schreckliche Wesen!

Für kleine Hexen auf Green Witch Island sind Menschen Fantasiewesen wie Hexen für Kinder in Afrika oder Europa: Sie kommen nur in Geschichten vor. Applejucy stellt fest, dass die echten Menschen häufig grausam sind. Sie erfährt viel über den Sklavenhandel, an dem auch Afrikaner mitverdienen, und über die grausame Behandlung der Sklaven in den Südstaaten. Außerdem findet sie heraus, warum die Hexen auf Green Witch Island leben: Sie sind vor der Hexenverfolgung dorthin geflohen. Zum Glück trifft sie – neben Jomo und Nana – auch nette, hilfsbereite Menschen, sodass sie erkennt, dass nicht alle gleich sind. Außerdem kommt natürlich das Thema Rassismus zur Sprache. Applejucy kann nicht verstehen, warum Schwarze wegen ihrer Hautfarbe so schlecht behandelt werden.

Applejucy selbst ist eine freundliche, mitfühlende, ein wenig aufmüpfige junge Hexe mit einem eigenen Kopf. Sie hat ein gutes Herz und will ihren neugewonnenen Freunden unbedingt helfen. Dafür geht sie einige Risiken ein und findet viel über sich selbst heraus.

Jomo und Nana sind mutige Kinder, die nicht aufgeben, um ihre Mutter wiederzufinden, auch wenn sie manches Mal nahe am Verzweifeln sind.

Sehr sympathisch ist auch Jucys Papagei Luis, der Freundschaft mit der Stadttaube Martha schließt und auf diese Weise an viele wichtige Informationen kommt.

Schwierige Themen gut verpackt

Sklaverei, Rassismus, Hexenverfolgung, das sind schwierige Themen mit vielen grausamen Aspekten, die in dem Buch auch angesprochen werden. Die Leserinnen und Leser erfahren, wie die Menschen in Afrika während ihrer Arbeit auf den Feldern geraubt und unter schrecklichen Bedingungen nach Amerika verschifft werden, wo sie verkauft, erniedrigt, geschlagen werden und unter grausamen Bedingungen leben müssen. Sie erleben, wie Menschen nur wegen einer anderen Hautfarbe schlecht behandelt werden, dass Menschen unterschiedlicher Hautfarben sich nicht lieben durften und lesen, dass (vermeintliche) Hexen verbrannt wurden.

Das ist ganz schon harter Stoff. Doch das Ganze ist in eine spannende Abenteuergeschichte verpackt. Durch Applejucys Zauberkünste kommt ein fantastisches Element hinein, und, vor allem durch ihre Missgeschicke, gibt es auch immer wieder etwas zu lachen. Gerade am Anfang musste ich oft grinsen, später wird das Geschehen naturgemäß ernster. Das Buch ist also keineswegs niederdrückend, sondern spannend und lustig – und natürlich geht es für die Hauptpersonen gut aus.

Ich finde, hier ist es gut gelungen, schwierige historische Themen mit einer fesselnden Rahmenhandlung zu verbinden.

Eine kleine Kritik zum Schluss: Afrika wird als Land bezeichnet …

Fazit: Geschichte wird hier spannend aufbereitet und in einer fesselnden Geschichte mit Fantasyelementen präsentiert. Ein aufregendes Abenteuer einer kleinen Hexe und ihrer Freunde für Kinder von 10 bis 12 Jahren.

Tina Brigitte Lauffer: Applejucy. Abenteuer in Amerika. Monika Fuchs 2019. 216 Seiten, Euro 14,90, ISBN 978-3-947066-14-8.

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