Dorothea Flechsig: Ritter Kahlbutz. Besuch aus der Vergangenheit

Dorothea Flechsig: Ritter Kahlbutz. Besuch aus der Vergangenheit

Eine Rittermumie erwacht zu neuem Leben

Nils, der Sohn des Bürgermeisters, wird immer wieder von Sven und Toni geärgert. Doch eines Abends geht die Sache fürchterlich schief. Durch einen Streich, den die beiden fiesen Jungen Toni spielen wollen, wecken sie Ritter Kahlbutz. Der mumifizierte Ritter aus der Gruft der Dorfkirche ist eine Attraktion, die ganze Reisebusse voller Touristen anzieht. Ist? Wohl eher war, denn nun steht er leibhaftig und höchst lebendig vor Toni. Dieser versteckt ihn erst einmal in der Ferienwohnung der Familie. doch das ist gar nicht so einfach. Kahlbutz staunt über die Veränderungen in Gesellschaft, Technik und der Ernährung, die sich seit dem Mittelalter vollzogen haben. Er spricht altmodisch und verhält sich furchtbar auffällig. Und dann braucht er auch noch unbedingt eine Rüstung und ein Pferd.

Toni kommt ganz schön ins Schwitzen, doch er mag seinen neuen Freund, der ihn zu seinem Knappen ernannt hat, und will ihm helfen. Zunächst möchte Kahlbutz seinen Familienschatz suchen, um damit sein früheres Verhalten wieder gut zu machen. Er war wegen Mordes verurteilt und mit einem Fluch belegt worden, weshalb er nicht verwesen konnte. Es wird eine Schatzsuche mit Hindernissen, denn natürliche haben das Schloss und das dazugehörige Land längst einen neuen Besitzer.

Es ist klar, dass das Auftauchen eines Ritters in dem kleinen Städtchen für einiges Aufsehen sorgt. Sein ungewöhnliches Benehmen macht das alles nicht besser. Außerdem fällt das Fehlen der Mumie in der Gruft schnell auf. Was nun? Dem Dorf und seinen Bewohnern, aber natürlich auch Ritter Kahlbutz steht eine aufregende Zeit bevor.

Aufregende Abenteuer

Nils ist ein sehr sympathischer und gutherziger Junge, der allerdings ziemlich unter seinem Körpergewicht zu leiden hat, weil Sven und Toni ihn deswegen schikanieren. Vielleicht brauchen sie aber einfach nur irgendein Opfer. Jedenfalls genießt Nils die Aufmerksamkeit, die er von Ritter Kahlbutz bekommt, sehr. Er erweist sich als verständiger Junge, der einige Probleme vorhersieht, die sie so umgehen können. Allerdings lässt sich Kahlbutz nicht immer von seinen Vorschlägen leiten. Aber auch, wenn das Chaos schon angerichtet ist, bemüht sich Nils, alle wieder zu besänftigen und alles ins Reine zu bringen.

Sven und sein Anhängsel Toni sind wirklich fies. Sven will immer nur seinen Spaß haben und möglichst viel Profit aus allem ziehen. Toni ist zwar ängstlich und hat manchmal Bedenken, traut sich aber nicht, seinem Kumpel ernsthaft zu widersprechen. Er ist der typische Mitläufer. Im Verlauf der Geschichte erfahren wir, warum Sven so eklig ist, das macht ihn aber auch nicht sympathischer. Sven und Toni mischen sich in alles ein und sorgen für viel Ärger, doch machen sie dank Kahlbutz’ Eingreifen eine durchaus glaubwürdig geschilderte Wandlung durch.

Ritter Kahlbutz ist nach 313 Jahren in der Gruft verständlicherweise völlig verwirrt von dem, was er sieht oder erlebt. Das sorgt für viele lustige und auch einige spannende Szenen. Auch wenn er einst ein Schurke war, jetzt hat er nur einen Wunsch: Er möchte den größen Fehler seines Lebens wieder gut machen. Er hofft, dass er danach endlich richtig sterben kann. Kahlbutz bringt Nils in einige unmögliche Situationen, vermittelt dem Jungen aber auch, dass er ihn mag und seine Unterstützung schätzt.

Gelungene Lesung

Die lebendige Lesung durch Jaron Löwenberg hat mir gut gefallen. Kahlbutz zeichnet sich – nicht weiter verwunderlich – durch eine altmodische Sprache aus. So spricht er von seiner Leibeshülle und nennt die Sonne Zentralgestirn. Es ist davon auszugehen, dass die Kinder das eine oder andere Wort nicht verstehen. Auch sagt er immer „min“ und „ik“. Dennoch finde ich das gut gelungen, denn es lässt den Ritter authentisch wirken. Gerade seine große Verzweiflung zu Anfang, als er Gott anfleht, ihn endlich sterben zu lassen, ist sehr überzeugend. Aber auch die Kinder werden glaubwürdig dargestellt, die Polizisten allerdings wirken ein wenig wie eine Parodie.

Der Anfang der Geschichte, als Kahlbutz zum Leben erwacht, ist ein wenig gruselig, doch später überwiegen lustige und manchmal auch spannende Situationen.  Wichtige Themen sind Freundschaft und Hilfsbereitschaft. Doch die Geschichte zeigt auch, dass Menschen sich ändern können – sowohl Kahlbutz als auch Sven. Gut hat mir vor allem Nils’ Entwicklung gefallen, der viel selbstbewusster wird, Verantwortung übernimmt und sich um seine Freundin und ihre Familie kümmert.

Fazit: Die turbulente Geschichte über einen Ritter, den es in die heutige Zeit verschlagen hat, bringt Kindern ab 8 Jahren viel Spaß.

Dorothea Flechsig: Ritter Kahlbutz. Besuch aus der Vergangenheit. Glückschuh Verlag 2018. 3 CDs, 3 Stunden 28 Minuten, Euro 13,95, ISBN 978-3-943030471.

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