Ross Welford: Der 1000-jährige Junge

Ross Welford: Der 1000-jährige Junge

Nicht von gestern – sondern von vor-vorgestern …

Alfie Monk hat einmal einen großen Fehler gemacht. Damals, als er gerade elf Jahr alt war und die Wikinger England angriffen. Seine Eltern sind sogenannte Nimmertote, dass heißt, dass sie keines natürlichen Todes sterben, aber durchaus bei Unfällen oder durch ein Verbrechen ums Leben kommen können, was seinem Vater passierte. Auch für ihn hält seine Mutter eine der kostbaren, ewiges Lebende spendenden Perlen bereit. Wenn er erwachsen ist, soll er sie verwenden. Doch an diesem unglückseligen Tag bringt die Neugier ihn dazu, die Angelegenheit auszuprobieren – weshalb er auf immer und ewig als Elfjähriger leben muss. Das macht das Leben kompliziert, denn mit der Zeit werden die Leute misstrauisch, wenn ein Kind niemals wächst. Und in unseren Zeiten kommt auch noch die Schulpflicht dazu … Deswegen führen Alfie und seine Mutter ein sehr abgeschottetes Leben. Doch dann lernt Alfie Aidan und Roxy kennen, die ihm helfen wollen, nach tausend Jahren ein ganz normales Leben zu führen. Doch dazu müssen sie etwas finden, was Alfie und seine Mutter vor Jahrhunderten versteckt haben. Und sie sind nicht die Einzigen, die sich dafür interessieren.

Möchtet ihr ewig leben? Ich kann es leider nicht empfehlen. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und mir ist natürlich klar, dass es etwas Besonderes ist. Bloß will ich es nicht mehr. Ich möchte älter werden, genau wie ihr.

Elfjähriger mit dem Wissen von Jahrhunderten

Alfie hat nicht nur tausend Jahre englischer Geschichte persönlich erlebt, er ist auch sehr belesen. Aber obwohl er im Körper eines Elfjährigen feststeckt, ist er nie zur Schule gegangen und weiß durch sein zurückgezogenes Leben auch nicht viel über das moderne Leben. Nach einem Unglück hat er die Nase voll. Er möchte so leben wie seine neuen Freunde auch. Nachdem er Aidan und Roxy überzeugt hat, dass seine Geschichte wahr ist, wollen sie ihm helfen. Doch wie? Die drei erleben gemeinsam ein großes Abenteuer.

Es ist schwierig, einen Jungen glaubhaft darzustellen, der schon tausend Jahre lebt. Würde er wirklich mit den anderen Kindern herumalbern wollen? Andererseits sehnt er sich nach einem normalen Leben. Also vielleicht doch. Ich finde, Welford ist es gelungen, trotz dieser Schwierigkeiten mit Alfie einen glaubwürdigen Protagonisten zu entwickeln. Man nimmt ihm seine Geschichte ab und ist neugierig zu erfahren, was er alles erlebt hat. Hier wäre viel zu erzählen gewesen, aber der Autor beschränkt sich, abgesehen von kurzen Streiflichtern, auf den Anfang der Geschichte und ein, zwei Generationen vor den aktuellen Ereignissen. Das reicht, um eine Idee von Alfies Leben zu bekommen.

Aidan und Ross sind zwei recht normale Kinder, allerdings beide eher Außenseiter, die sich kennenlernen, als Aidan ins Haus neben Ross zieht. Ross ist ein ziemlich taffes Mädchen, das sich um seine behinderte Mutter kümmern muss, Aidan muss damit klarkommen, dass die Familie wegen finanzieller Probleme in diese etwas heruntergekommene Straße zieht und seine alten Freunde ihn ziemlich schnell fallenlassen. Ihr Wunsch, Alfie zu helfen, schweißt sie zusammen.

Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht von Aidan und der Sicht von Alfie geschildert, was sich sehr gut ergänzt. So erfahren wir, was für Alfie alles merkwürdig wirkt, aber auch, was für ein schräger Vogel Alfie manchmal für Aidan ist. Die Geschichte spielt zwar in der Gegenwart, beginnt aber in der Vergangenheit mit Alfies Bericht, wie es dazu kam, dass er so früh zum Nimmertoten wurde. Auch gibt es immer wieder Rückblicke – meist erzählt von Alfie, aber gelegentlich auch von Aidan, der mit Ross recherchiert, um herauszufinden, ob an Alfies Erzählungen etwas dran sein kann.

Aufregende Abenteuer

Durch Alfies Unbeholfenheit, mit manchen Dingen in der Moderne zurechtzukommen, gibt es einige lustige Szenen. Es überwiegen jedoch spannende und dramatische Szenen. Zwar braucht es einen Moment, bis die Handlung richtig in Schwung kommt, aber danach fand ich das Buch überaus fesselnd.

Die Idee, ewig zu leben, faszinierte die Menschen schon immer. Diese Geschichte zeigt ziemlich deutlich die Nachteile auf, vor allem wenn man schon so früh wie Alfie aufhört zu altern. Alfie jedenfalls ist fest davon überzeugt, dass tausend Jahre genug sind, und wenn man erst einmal seine Geschichte kennt, hat man volles Verständnis dafür.

Fazit: Fesselnde Geschichte mit einem interessanten Thema und einer humorvoll geschilderten Handlung voller Abenteuer für Kinder von 10 bis 12 Jahre.

Ross Welford: Der 1000-jährige Junge. Aus dem Englischen von Petra Knese. Coppenrath 2019. 384 Seiten, Euro 16,00, ISBN 978-3-649-63027-2.

__________________________________________________

WERBUNG (*)

Zur Verlagsseite – bei Amazon – bei der Autorenwelt – im Onlineshop eurer Buchhandlung – und in eurer Lieblingsbuchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

(*) Nach dem Telemediengesetz sind Links auf Verlage, Shops und Affiliate-Links (hier: Amazon) als Werbung zu kennzeichnen, übrigens ganz unabhängig davon, ob das Buch ein Rezensionsexemplar ist oder selbst gekauft wurde. Ich bekomme kein Geld von den Verlagen, sie stellen mir lediglich ein Buch zur Verfügung. Das verpflichtet mich zu nichts, ich schreibe auch kritische Rezensionen oder verzichte ganz darauf, ein Buch zu besprechen. Meine Meinung ist nach wie vor unabhängig. Die Links sind ein Service für euch Blogbesucher, auf den ich nicht verzichten möchte. Lediglich über den Amazon-Affiliate-Link verdiene ich etwas Geld – falls jemand etwas bestellt, nachdem er den Link benutzt hat, bekomme ich ein paar Cent.