A. F. Harrold: Amandas unsichtbarer Freund

Viele Kinder haben unsichtbare Freunde, die sie in ihr Leben und ihre Spiele integrieren. So auch Amanda, die eines Tages Rudger in ihrem Kleiderschrank entdeckt hat. Amandas Mutter ist sehr nett, sie deckt den Tisch für Rudger und akzeptiert seine Anwesenheit. Amanda verbringt viele tolle Stunden mit ihm, bis eines Tages ein komischer Mann vor der Haustür steht, Mr. Bunting. Und neben ihm: seine imaginäre Freundin. Beide lösen ein unangenehmes Gefühl bei Amanda aus. Kurz darauf hat Amanda einen Unfall. Rudger weiß nicht, ob sie bewusstlos oder tot ist. Er beginnt zu verblassen, weil niemand an ihn denkt. Doch er findet Hilfe und erfährt, was es mit Mr. Bunting auf sich hat: Er frisst imaginäre Wesen, um seine Erinnerungsfähigkeit und Fantasie zu erhalten. Rudger ist ernsthaft in Gefahr …

Mittlerweile verblasste er am ganzen Körper.
Er fühlte sich schläfriger und schläfriger.
Er schloss die Augen.
Wie würde es sein, zu verblassen? Völlig zu verschwinden?
Die Zukunft wird es zeigen, dachte er, und zwar schon bald, die Zukunft wird es zeigen.

Ich habe schon öfter Geschichten gelesen, in denen die Kinder imaginäre Freunde hatten. Doch nie haben sie eine so tragende Rolle gespielt wie hier. Die Leser erfahren,  was mit den imaginäre Wesen passiert, wenn die Kinder älter werden und sie vergessen. Rudger, der zunächst blass bleibt, weil er immer nur tut, was sich die vor Fantasie sprühende Amanda für ihn ausdenkt, muss auf einmal alleine zurechtkommen, sodass man ihn besser kennen- und lieben lernt. Rudger möchte unbedingt zurück zu Amanda, aber wie soll er es anstellen, ins Krankenhaus zu kommen? Und was wird passieren, wenn er noch einmal Mr. Bunting begegnet, der eindeutig auf der Jagd nach ihm ist? Am besten wäre es ja, diesem Monster für immer den Garaus zu machen, aber wie könnte das gehen?

Er war wirklich nicht gut in diesem imaginären Geschäft, dachte er.
Er hatte die Sache vermasselt. Voll und ganz.

Ich hatte viel Spaß, an der fantasievollen Geschichte mit ihren teilweise sehr ungewöhnlichen Charakteren, die mit einigen komischen und vielen spannenden Szenen Lesespaß bis zur letzten Seite bringt. Manchmal wird es sogar ein wenig gruselig. Klar, da versucht jemand, die besten Freunde der Kinder zu fressen! Auch die tollen schwarz-weißen Illustration  tragen dazu bei, dieses Gefühl zu erzeugen. Mr. Bunting, seine imaginäre Freundin und auch die teilweise leicht durchsichtigen imaginären Wesen lassen einen durchaus manchmal schaudern. Aber es gibt auch fröhliche Bilder und ich finde, das Gruseln bleibt in einem auch für sensiblere Kinder aushaltbarem Rahmen.

Eine Leseempfehlung für alle ab 10 Jahren, die eine Mischung aus Abenteuer, Spannung, viel Fantasie und etwas Grusel lieben.

Cover_Harrold_AmandasunsichtbarerFreund

A. F. Harrold, Emily Gravett: Amandas unsichtbarer Freund. Aus dem Englischen von Ute Brammert. Heyne fliegt 2016. 272 Seiten, Euro 12,99, ISBN 978-3-453-26980-4.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – über Buchhandel.de – und in der nächstgelegenen Buchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.