Christina Björk: Sieben Prinzessinen und jede Menge Drachen

Christina Björk: Sieben Prinzessinen und jede Menge Drachen

Prinzessinen, einmal anders

Die sieben Prinzessinnen in dieser Geschichte sind ein wenig anders, als wir es sonst aus Geschichten gewohnt sind. Sie haben keine Lust, fein gekleidet herumzusitzen und sich womöglich brav von einem Drachen entführen zu lassen, damit ein heldenhafter Prinz sie retten kann. An jedem Wochentag lernen wir eine Prinzessin kennen. Am Montag ist das zum Beispiel Prinzessin Mondenschein, deren Kleiderschrank so voll ist, dass sie sich nie entscheiden kann, was sie anziehen soll, und deswegen lieber den ganzen Tag im Nachthemd herumläuft. Als sie von der Drachenmutter als Futter für ihre Jungen entführt wird, reagiert sie nicht hysterisch, sondern sie verhandelt mit den Drachenkindern. Sie zeigt ihnen das Spielzeug, mit dem sie gerade gespielt hat. Das finden die Drachenkinder toll! Entgegen der Anordnung der Mutter, brav in der Höhle zu bleiben, fliegen sie mit der Prinzessin ins Schloss, wo der König für sie die Spielsachen anfertigen lässt, die sie sich wünschen.
Auch die anderen Prinzessinen haben ihren eigenen Kopf. Eine rettet ihre entführten kleinen Brüder. Eine hat zwar Angst vor Eichhörnchen, Seife und Rasenmähern, aber genau das rettet sie am Ende vor dem Drachen. Eine verschläft den halben Tag, ist aber munter, als in der Nacht ein Drache kommt. Die Nächste darf nicht mit anderen Kindern spielen, weil ihr Vater meint, sie wäre zu fein dazu. Da ihr Vater keine Zeit hat, geht sie auf Erkundungstour, entdeckt einen Drachen, leiht ihm Krone und Kleid und lernt dafür Feuerspucken und tauscht die Rollen.

Sieben Wege, mit Drachen fertigzuwerden

Die originellen Geschichten zeigen Prinzessinnen, die genauso unterschiedlich sind wie andere Kinder auch. Was sie definitiv nicht sind, ist langweilig. Sie haben ihren eigenen Kopf und ihre ganz individuelle Art, mit Drachen fertigzuwerden. Sie sind nicht alle unbedingt sympathisch, aber herrlich unkonventionell.

Für jeden Tag gibt es eine Geschichte, der Name der Prinzessin fängt immer mit dem gleichen Anfangsbuchstaben an wie der Wochentag. Interessant sind auch die Eltern: Die meisten Prinzessinnen scheinen bei ihren Vätern aufzuwachsen, denn nur in einer Geschichte kommt eine Mutter vor. Die armen Könige sind mit ihren aufmüpfigen Töchtern ziemlich überfordert. Auf jeden Fall zeigen die Geschichten, das ungewöhnliche Marotten manchmal äußerst hilfreich sein können.

Die sieben Geschichten werden von einem Erzähler erzählt, dem die Prinzessinnen immerzu dazwischenquatschen, weil sie sich beispielsweise selbst vorstellen wollen. In anderen Passagen sind die Zuhörer direkt beim Geschehen dabei: Hintergrundgeräusche und Dialoge erzeugen Authentizität, ein unaufdringliche Musik sorgt für Atmosphäre. Ich fand nicht alle Prinzessinnen sympathisch, aber ungewöhnlich sind sie definitiv alle.

Die sieben Geschichten können natürlich gut als Gute-Nacht-Geschichten für den jeweiligen Tag genutzt werden, sie sind nicht sehr lang und gehen immer gut aus, zumindest für die Prinzessin. Aber es ist nicht verboten, sie an einem Stück zu hören.

Fazit: Prinzessinnen müssen nicht immer lieb sein! Ungewöhnliches Hörspiel für Kinder von 4 bis 7 Jahren.

Christina Björk: Sieben Prinzessinnen und jede Menge Drachen. Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer. DAV 2017. 1 CD, 49 Minuten, Euro 9,99, ISBN 978-3-7424-0049-9.

Auf Platz 2 der hr2-Hörbuchbestenliste Mai 2017 in der Rubrik Kinder- und Jugendhörbücher.

Sprecher: Matthias Haase, Lia Danisch, Gereon Nußbaum, Ursula Wüsthof, Leon Göss, Greta Luise Steger, Anna Maria Marx, Gregor Höppner, Martin Bross, Eldrid Fettweis, Klaus Lehmann, Janina Sachau, Belai Hailu-Massur, Ruth Schiffer, Thyra Bonnichsen, Throben Drube, Joachim Paul Fehling, Selina Beskisiz, Simon Roden, Edda Fischer, Matthias Kiel, Sophia Christina Marx, Steve Hudson.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.