Enid Blyton: Dolly. Neu auf Internat Möwenfels

Enid Blyton: Dolly. Neu auf Internat Möwenfels

Aufregende Erlebnisse im Internat

Dolly ist aufgeregt. Endlich kommt sie ins Internat. Das hat sie sich schon so lange gewünscht! Das Internat Möwenfels ist in einer alten Burg mit vier Türmen untergebracht, Dolly zieht in den Nordturm. Dort trifft sie auf sehr unterschiedliche Mädchen, mit denen sie von nun an Tag und Nacht verbringt: Alice, die nur Unfug im Kopf hat, die stille Susanne, die musikalische, aber chaotische Irene, Marlies, die vor allem Angst hat, die pferdeverrückte Will, die verwöhnte Evelyn, die alle anderen nervt, und viele andere. Natürlich müssen sie lernen, sie treiben aber auch Sport, lassen sich Streiche einfallen, streiten und versöhnen sich. Manchmal gibt es auch große Probleme, die die Mädchen aber meist untereinander lösen. Dolly will eine gute Kameradin sein, aber manchmal macht ihr ihr Jähzorn einen Strich durch die Rechnung.

„Da wäre ich gerne dabei gewesen“, seufzte Dolly. „Alice, mach doch noch einmal solch einen Streich! Irgendwas in der Mathematikstunde, ja? Damit sich Frau Pott unsere Schularbeiten nicht so genau ansehen kann.“
„Was, in Pöttchens Stunde?“, sagte Alice spöttisch. „Sei nicht albern. Pöttchen durchschaut alles. Versuch doch selbst, ihr einen Streich zu spielen!“

Klassiker der Internatsgeschichten

In meiner Kindheit habe ich Dolly geliebt. Zuerst mochte ich Hanni und Nanni mehr, doch als ich etwas älter wurde, zog ich die Dolly-Geschichten vor. Ich wäre jederzeit in ein Internat gegangen, wenn man mir das angeboten hätte! Eigentlich war ich schon lange aus dem Dolly-Alter heraus, als auf einmal weitere Bände erschienen, die ich mir dann alle noch gewünscht und sie gelesen habe. (Das dachte ich zumindest, nun habe ich entdeckt, dass es nach Dollys Hochzeit noch weiterging.) Daher musste ich nicht lange überlegen, als ich gefragt wurde, ob ich diese neue Auflage rezensieren möchte. Klar möchte ich! Ich war allerdings ein wenig aufgeregt. Würde ich die Geschichten immer noch mögen? Waren sie womöglich (zu sehr) modernisiert worden?

Um gleich mit der letzten Frage zu beginnen: Nein, die Geschichten wurden nicht modernisiert, mir ist zumindest nichts Schwerwiegendes aufgefallen. Die Handlung wurde nach Deutschland verlegt, ein paar Namen sind leicht verändert (bilde ich mir zumindest ein)*. An einigen Stellen fiel mir das sehr altmodische Weltbild negativ auf. Da weist zum Beispiel die Klassenlehrerin darauf hin, dass Petzerei in ihrer Internatszeit durch Schläge mit der Haarbürste bestraft wurden. Öhm, ja. Wer Heimweh hat, wird nicht etwa getröstet, sondern ausgelacht, mangelnde sportliche Fähigkeiten sind ein großes Manko. Und es braucht die Schulleiterin, damit Erwachsene verstehen, dass ein Mädchen sich abgeschoben fühlt, wenn es nach der Geburt seiner Schwester in ein Internat geschickt wird, weil es der Mutter sonst zu viel wird.

Die Leserinnen (vermutlich werden es überwiegend Mädchen sein, Jungs kommen in diesen Geschichten ja fast überhaupt nicht vor) merken also sehr schnell, dass die Geschichten zu einer anderen Zeit spielen. Doch das war schon genauso, als ich sie gelesen habe – an die Haarbürstensache konnte ich mich noch erinnern – und hat mich damals nicht gestört. Ich glaube auch, dass es die heutigen Leserinnen nicht großartig stören wird. Denn die Themen, die behandelt werden, sind zeitlos: Freundschaft, Kameradschaft, Zusammenhalt, Mobbing (auch wenn man es damals noch nicht so nannte), gemeinsame Erlebnisse und die Diskrepanz zwischen dem Wunsch, wie man sein möchte und den Schwierigkeiten, das im Alltag durchzuhalten.

Ein Problem? Kein Problem!

In jedem Buch haben ein oder zwei Mädchen besondere Probleme, die natürlich zu aller Zufriedenheit gelöst werden. Das verschlossene Mädchen ist eifersüchtig auf sein Geschwisterchen, sobald das herauskommt, merkt es selbst, dass das Unsinn ist. Ein anderes Mädchen lügt und stiehlt, um zu vertuschen, dass es aus einer armen Familie kommt. Ein Mädchen mit einem Stipendium lernt, bis es zusammenbricht, weil es glaubt, so sein Dasein rechtfertigen zu müssen. Das extrem ängstliche Mädchen bekommt eine Gelegenheit, sich zu beweisen. Und auch Dolly kommt immer besser mit ihrem Jähzorn zurecht. Manchmal fand ich, dass der erhobene Zeigefinger zu sehr durchkommt.

Was mir gefällt, ist, dass die Charaktere, obwohl sie auf den ersten Blick recht klischeehaft angelegt sind (vor allem die Lehrerinnen), auf den zweiten Blick doch oft vielschichtiger sind. Dolly möchte eine gute Freundin sein. Deswegen macht sie bei vielen Streichen mit, vergisst darüber aber zu lernen und ist enttäuscht über ihre Leistungen.  Also nimmt sie sich vor, in Zukunft fleißiger zu sein. Immer wieder kommt es vor, dass sie heftige Wutausbrüche hat, die gar nicht zu ihrem sonstigen Wesen passen. Dann ist sie sehr zerknirscht, aber im Gegensatz zu anderen fällt es ihr nicht schwer, sich zu entschuldigen. Auch andere Mädchen entwickeln sich im Verlauf der Bände.

Insgesamt ist es eine lockere zu lesende Lektüre, oft lustig, manchmal spannend und gelegentlich nachdenklich.

Dieses Buch ist ein Sammelband der ersten drei Bände: Dolly sucht eine Freundin, Wirbel in Klasse 2 und Ein Pferd im Internat.

Fazit: Auch heute noch machen die aufregenden Erlebnisse von Dolly und ihren Freundinnen im Internat Möwenfels den Leserinnen Spaß. Zeitlose Internatserlebnisse mit etwas altmodischem Charme für Leserinnen von 8 bis 12 Jahren.

Enid Blyton: Dolly. Neu auf Internat Möwenfels. Sammelband 1. Schneider 2018. 352 Seiten, Euro 12,00, ISBN 978-3-505-14159-1.

(*) Nach einer Diskussion auf Twitter und dem Nachlesen des Wikipedia-Artikels scheine ich mich in Bezug auf die Namen zu irren und sie waren von Anfang an eingedeutscht. Ich hatte aber zum Beispiel gedacht, dass Diana Dina hieß
Wahrscheinlich spielte auch die Handlung in Deutschland und ich dachte nur immer, dass sie in England spielt. Wenn ich wieder einmal bei meinen Eltern bin, muss ich einmal schauen, ob ich die Bücher auf dem Dachboden finde.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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