Oscar Wilde: Das Gespenst von Canterville. Orchesterhörspiel

Oscar Wilde: Das Gespenst von Canterville. Orchesterhörspiel

Musikalische Umsetzung eines Klassikers

Die Geschichte des Gespensts von Canterville dürfte den meisten bekannt sein. Ich hatte als Kind eine Schallplatte mit dem Hörspiel, das ich sehr mochte. Hier ist die Geschichte als Orchesterhörspiel bearbeitet. Zu Anfang wird kurz darauf eingegangen: Virginia, die Tochter des Hauses, erkundigt sich beim Erzähler, welches Instrument das gerade war. Da fürchtete ich schon, die Geschichte würde durch dererlei Unterbrechungen kaputtgemacht, aber keine Angst, es bleibt dabei.

Jahrhundertelang hat das Gespenst von Canterville, Sir Simon, den Menschen Angst eingejagt. Doch dann zieht die amerikanische Familie Otis in das Schloss, die sich nicht von ihm beeindrucken lässt. Sie entfernen den Blutfleck vom Teppich, obwohl der sich immer wieder erneuert, die Zwillinge machen eine Kissenschlacht mit dem Gespenst und der Vater bietet ihm Öl gegen seine quietschenden Ketten an. Das Gespenst ist am Boden zerstört. Doch eines Tage trifft Virginia es in der Bibliothek und unterhält sich mit ihm. Es bittet sie darum, es zu erlösen …

Dramatische Ereignisse in Schloss Canterville

Das Gespenst von Canterville ist eine spannende Geschichte. Zu Anfang gibt es auch lustige Passagen, doch zum Ende hin wird es immer dramatischer. Das empfindet man schon bei einer normalen Lesung, doch sehr viel mehr bei dieser musikalischen Bearbeitung, die die Stimmungen wunderbar aufgreift und verstärkt. Das ist nicht unbedingt etwas für zu sensible Kinder und man sollte Kinder das Hörbuch auch nicht zum Einschlafen hören lassen, wenn man möchte, dass sie danach noch schlafen. Doch Kinder, die spannende Geschichten lieben, kommen voll auf ihre Kosten – und die mithörenden Familienmitglieder auch. Auch von der Thematik her ist es keine leichte Kost. Schließlich bittet das Gespenst Virginia am Ende, ihm zu helfen, damit es endlich erlöst wird.

Im Booklet erklärt der Komponist, Henrik Albrecht, den Kindern auf einer Seite die Rolle der Instrumente und wie sie eingesetzt werden, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen:

Wenn der Musiker den Bogen ganz schnell hin und her führt, hört man ein Zittern, was man in der Musik Tremolo nennt. Das ist immer dann zu hören, wenn das Gespenst jemandem Angst einjagen will, zum Beispiel wenn es die Hausmädchen von Schloss Canterville erschreckt.

Die Sprecher schaffen es gut, die Zuhörer in die Atmosphäre des englischen Schlosses zu entführen. Besonders gut haben mir Virgina (Laura Maire), der Erzähler (Peter Fricke) und Sir Simon (Stefan Kaminski) gefallen, die Zwillinge klangen teilweise etwas überdreht.

Die Sprache ist recht anspruchsvoll. Oskar Wilde hat hier keine Kindergeschichte geschrieben und die Übersetzung ist nicht modern. Ausdrücke wie „diabolisches Gelächter“ können kleine Kinder noch nicht verstehen.

Ich gehe selten auf das Cover ein, weil das für mich nicht so wichtig ist. Hier finde ich es aber nicht gelungen. Es lässt mich eher eine lustige Geschichte um ein schrulliges Schlossgespenst erwarten als eine dramatische, die sich um Mord, Tod und den Wunsch nach Erlösung dreht.

Die Alterseinstufung ab 6 Jahren finde ich aufgrund des schweren Themas und der dramatischen Umsetzung nicht passend. Für mutige Kinder ab 8 Jahren, sind die Kinder eher ängstlich, ruhig auch später. Es kann sicher nicht schaden, wenn die Eltern beim ersten Mal mithören – um Wörter zu erklären oder ein wenig zu kuscheln.

Das Hörspiel wurde 2007 mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet.

Fazit: Gelungene, sehr dramatisch wirkende Umsetzung eines Klassikers, der den Kindern gleichzeitig klassische Musik näherbringt.

Mit Pauken und Trompeten. Das Gespenst von Canterville von Oskar Wilde. Orchesterhörspiel mit Musik von Henrik Albrecht. Gespielt von SWR Rundfunkorchester. Headroom 2006. 1 CD, 60 Minuten, ISBN 978-3-934887-55-4.

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