A. L. Kennedy: Onkel Stan und Dan und das fast ungeplante Abenteuer

A. L. Kennedy: Onkel Stan und Dan und das fast ungeplante Abenteuer

Skurriles Abenteuer

Dan, der Dachs, wird von zwei Schwestern der Familie der McGloone gefangen, eingesperrt und gequält. Am Samstag – das ist schon übermorgen – soll er in einem absurden Kampf gegen die drei Hunde der Familie antreten. Danach soll Pastete aus ihm gemacht werden. Einem ähnlichen Schicksal blicken vier Lamas entgegen, die mit falschen Versprechungen aus Peru nach Schottland gelockt wurden und nun unter einer ständigen Regenwolke ihr freudloses Dasein fristen.

Doch zufällig entdeckt Onkel Stan die Spuren des Dachses, folgt ihnen zur Farm, sieht all die grausamen Familienmitglieder und die unglücklichen Gefangenen und beschließt, ihnen zu helfen. Er denkt und denkt, doch sein Plan hat immer noch Lücken. Doch dann ist Samstagmorgen und all die Neugierigen kommen auf die Farm, die den Dachskampf sehen und wetten wollen, wie lange der kleine Dachs es aushält. Es bleibt keine Zeit für weitere Pläne, Onkel Stan muss dringend handeln.

Magda McGloone saß am Küchentisch und tat so, als seien die Schwestern nicht da. Das war schwierig, weil ihr Esthers Handtasche ständig gegen den Hinterkopf schlug. Alles anderenMc Gloones hatten sich unschön um den Tisch gequetscht; sie pufften einander in die Rippen und stopften sich fettige Kuchenstücke, Marmeladenbrote und Apfeltaschen in die großen McGloone-Mäuler. Und alle schrien dabei, weshalb feuchte Krümel und Blätterteig durch die Gegend flogen und überall festklebten.

Widerstand gegen brutale Tierquäler

Die McGloones sind widerliche, brutale Tierquäler. Sie werden als so abstoßend geschildert, dass die Leser sie nach wenigen Zeilen verabscheuen. Mit den netten, aber sehr unglücklichen Gefangenen dagegen hat man sofort Mitleid. Vor allem nachdem man die Schilderung der Messersammlung der McGloones gelesen hat, kann man sich kaum vorstellen, dass sie eine Chance haben, ihrem Schicksal zu entkommen. Ihre Lage scheint aussichtslos. Auch das Auftauchen von Onkel Stan ändert nichts daran. Er macht einen derart verpeilte Eindruck, dass man ihm keinen gescheiten Plan zutraut, auch wenn er zweifellos ein herzensguter Mensch ist. Dan ist zuerst begeistert über die vermeintlich nahende Rettung, aber dann benimmt sich Onkel Stan so merkwürdig und zieht wieder von dannen, dass er die Hoffnung wieder aufgibt.

Schließlich, als es wirklich um Sekunden geht, zumindest für Dan, passieren einige merkwürdige Dinge und eine wilde Verfolgungsjagd beginnt. Das Schicksal der McGloones ist grausam, aber als Leserin oder Leser hat man herzlich wenig Mitleid. Und am Ende geht, ziemlich überraschend, alles gut aus. Na ja, zumindest für die Netten.

Die temporeiche Geschichte ist voller Sprach- und Wortwitz, die Sprache ist erzeugt viele Bilder, allerdings ist die Autorin nicht unbedingt zimperlich, was die Wortwahl angeht. Wer verhindern möchte, dass seine Kinder ein paar coole neue Schimpfwörter lernen, der sollte dieses Buch meiden.

Die Geschichte ist mit vielen comicartigen Zeichnungen bebildert (im Anhang steht, dass die Zeichnerin die Aufgabe an einen Fünfjährigen delegiert hat). Diese Zeichnungen sind oft sehr lustig. Man stelle sich Pasteten vor, aus denen der Kopf eines Maulwurfs oder die Beine eines Pferdes herausschauen.

Da es einige grausame Szenen gibt, ist die Geschichte nichts für allzu zart besaitete Gemüter. Ich habe die Brutalität aber ähnlich empfunden wie in den Tom-und-Jerry-Filmen: absolut unglaubwürdig und überzogen und deswegen sehr komisch. Jedes Kind weiß, dass niemand getoastet wird und niemandem vor Wut die Ohren explodieren.

Fazit: Eine herrliche böse, skurrile und ungewöhnliche Geschichte für Kinder ab 9 Jahren, die auf ungewöhnliche Weise zeigt, wie wichtig Freunde sind und wie schlimm Tierquälerei ist.

A. L. Kennedy, Gemma Correll: Onkel Stan und Dan und das fast ganz ungeplante Abenteuer. Aus dem Englischen von Ingo Herzke. Orell Füssli 2018. 192 Seiten, Euro 14,95, ISBN 978-3-280-03575-7.

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